Taiwan könnte einen hohen Preis für Trumps Wahlsieg zahlen
(AFP) Taiwan hat den Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl zwar öffentlich begrüßt. Doch Experten warnen, dass Taipeh mit der Rückkehr des Republikaners ins Weiße Haus einen hohen Preis für die US-Unterstützung beim Schutz gegen China zahlen könnte.
Denn Trump hatte während des Wahlkampfs gefordert, Taiwan solle künftig für den Beistand durch die US-Streitkräfte zahlen.
Washington ist seit langem der wichtigste Unterstützer und größte Waffenlieferant Taiwans - sehr zum Ärger Pekings, das die selbstverwaltete Insel als Teil seines Territoriums ansieht.
Der taiwanische Präsident Lai Ching-te zeigte sich nach Trumps Wahlsieg zuversichtlich, dass die Beziehungen zwischen den USA und Taiwan weiterhin als "Eckpfeiler regionaler Stabilität dienen" würden.
Doch der ehemalige und künftige US-Präsident hatte während des Wahlkampfs für Nervosität in Taiwan gesorgt, als er forderte, Taipeh solle für die Verteidigung durch die USA zahlen.
Zudem warf er Taiwan vor, den USA ihre Halbleiterindustrie "gestohlen" zu haben.
Amanda Hsiao von der International Crisis Group sagt deshalb, die künftige Taiwan-Politik der USA sei "höchst ungewiss". Die Trump-Regierung könne womöglich die weitere Unterstützung Taiwans davon abhängig machen, dass Taipeh mehr für die eigene Verteidigung ausgebe.
Eine andere Möglichkeit könnte aber sein, dass die neue US-Regierung zu Taiwan auf "neue Höhen" heben wolle - was aber die Spannungen mit China steigern würde, sagt Hsiao.
Taipeh hat für 2014 einen Verteidigungshaushalt in einer Rekordhöhe von 19 Milliarden Dollar (17,61 Milliarden Euro) beschlossen.
Nächstes Jahr soll diese Zahl noch steigen.
China ist Taiwan dennoch waffentechnisch haushoch überlegen und weigert sich, eine gewaltsame Übernahme der Insel und ihrer 23 Millionen Bewohner auszuschließen. Der chinesische Präsident Xi Jinping hat eine "Wiedervereinigung" Taiwans mit China als "unvermeidbar" bezeichnet.
Den militärischen Druck auf Taipeh hat Xi in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt, indem er regelmäßig Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe um die Insel kreisen lässt.
Der Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, William Barnes, erklärte vergangenes Jahr, Xi habe sein Militär angeordnet, bis 2027 für eine Invasion der Insel bereit zu sein.
Die USA haben Taiwan in den vergangenen fünf Jahrzehnten Waffen im Wert mehrerer Milliarden Dollar geliefert, darunter F16-Kampfjets und Kriegsschiffe.
Doch trotz starker parteiübergreifender Unterstützung für Taiwan im US-Kongress fürchten einige, dass Trump die Insel im Falle eines chinesischen Angriffs nicht für verteidigungswürdig halten könnte.
Auch ein möglicher Handelskrieg zwischen den USA und China könnte nach Ansicht von Experten für Taiwan riskant werden.
Taipeh könnte in einer solchen handelspolitischen Konfrontation zwischen die Fronten geraten, warnt die Politologin Liu Jia-wei von der Nationalen Universität Taipeh. "Taiwan wird als Verhandlungsmasse für die Durchsetzung amerikanischer Interessen diskutiert werden", sagt Liu.
Doch zumindest nach außen lässt sich die taiwanische Regierung keine Besorgnis anmerken.
Ungeachtet der "unterschiedlichen Stile und politischen Ausrichtungen" hätten sich die Beziehungen zwischen den USA und Taiwan unter den US-Präsidenten Barack Obama, Donald Trump und Joe Biden nur weiter vertieft, verlautet aus Regierungskreisen.
Nicht zu erwarten ist allerdings, dass die USA sich unter Trump für die Aufnahme Taiwans in internationale Gremien einsetzen.
Das liege vor allem daran, dass der Republikaner "diese Institutionen nicht besonders wertschätzt", konstatiert Rorry Daniels vom Asia Society Policy Institute.
China blockiert Taiwans Aufnahme in internationale Institutionen und bemüht sich um die diplomatische Isolation der Insel.
Weltweit erkennen nur zwölf Länder Taiwan als Staat an, darunter der Vatikan. Andere beschränken sich auf enge, aber inoffizielle Beziehungen.
Einige dieser Länder könnten sich zurückhaltend in der Unterstützung Taiwans zeigen, sollten die USA dabei nicht vorangehen.
Weng-Ti Sung vom Atlantic Council formuliert es so: Der Grundsatz "Zu mehreren ist man sicherer" gelte für Taiwan nur unter "der eindeutigen Führung" der USA. "Ich bin mir nicht sicher, ob wir das noch haben", gibt er zu bedenken.
ma/dja
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